Samstag, 15. August 2020

Das Ende

von Thilo Städtler

Liebe Whiskyfreunde,
sehr geehrte Damen und Herren
 
Das Whiskyseminar4450 muss schliessen... 
 
Nach nicht einmal einem halben Jahr zwingen uns unüberwindbare Hürden der schweizerischen Gesetzgebung zum endgültigen Schliessen des Whiskyseminar4450.
Unendlich traurig und nahezu fast ohnmächtig haben wir uns entschieden, unseren Traum vom Whiskyseminar, von den Tastings und vom Whisky & Dine im eigenen Seminarraum zu begraben – endgültig.
 
Dabei hat alles so gut angefangen: Im Herbst 2019 haben Verena und ich uns zur Schule für das Wirtepatent in Liestal angemeldet mit dem Ziel, Mitte März 2020 die Prüfung abzulegen (… und natürlich auch zu bestehen).
Dann kurz vor Weihnachten ein weiterer Glücksfall: wir haben an der Bahnhofstrasse 8 die passende Räumlichkeit gefunden und den Zuschlag dafür erhalten. Mit einem Mietvertrag über ein Ladenlokal und einem Parkplatz direkt vor der Tür starteten wir voller Elan ins neue Jahr 2020. Neben dem Studium für das Wirtepatent haben wir natürlich alles für die Eröffnung unseres Seminars am 01.03. vorbereitet. Das Interesse an unseren Seminaren war gut, bereits Ende Februar waren die ersten 4 Seminare im März und April ausgebucht. Weitere 3 Seminare waren bereits von Firmen für Events reserviert.
Am 28.02. haben wir dann den Schlüssel bekommen für einen schmuck renovierten Seminarraum – alles neu vom Boden bis zu Decke. Jetzt durften wir alles einrichten: Möbel, die Technik, Dekorationen und, und, und… schliesslich erwarteten am 21.03. neugierige Gäste ein spannendes 1. Seminar und uns erwartete ein Prüfung zum Wirtepatent. Wir waren einfach nur happy - unser Traum ging in Erfüllung. 
 
Und dann kam das:
 
Bern, 16.03.2020 - Der Bundesrat hat heute, 16. März 2020, in einer ausserordentlichen Sitzung die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung weiter verschärft. Er stuft die Situation in der Schweiz neu als «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz ein. Alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe werden bis am 19. April 2020 geschlossen. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelläden und die Gesundheitseinrichtungen. Er führt zudem ab Mitternacht Kontrollen auch an den Grenzen zu Deutschland, Österreich und Frankreich ein. Zur Unterstützung der Kantone in den Spitälern, bei der Logistik und im Sicherheitsbereich hat der Bundesrat den Einsatz von bis zu 8000 Armeeangehörigen bewilligt. [Quelle: Internetseite des Bundesrates].
 
Seitdem ist alles anders - sehr viel anders.
Das erste Seminar hatten wir dann am 12.06.2020, unsere Prüfung zum Wirtepatent haben wir beide am 03.07.2020 erfolgreich bestanden.
Zu dieser Zeit haben wir dann auch die Unterlagen für die notwendigen Bewilligungen für unser Seminar eingereicht. 

Damit begann unsere Odyssee. Wir waren plötzlich keine Schule oder Lehrbetrieb mehr, sondern man stufte uns als öffentlicher Gastrobetrieb ein. Jedoch: wir sind weder öffentlich noch ein Gastrobetrieb. Es gibt bei uns keine Öffnungszeiten. Die Teilnehmer müssen sich vorher anmelden und ein Ticket kaufen. Man kann bei uns kein Schnitzel oder einen Teller Spaghetti bestellen. Ausserhalb der Seminare ist der Laden geschlossen. Doch damit sind wir auf taube Ohren gestossen: Das Whiskyseminar4450 ist ein Gastrobetrieb, weil wir Alkohol anbieten und verkosten. So steht es im Gesetz – und es bedeutet auch, dass ein Baugesuch, eine sog. Umnutzung, eingereicht werden muss – obwohl nichts umgebaut, sondern «nur» umfassend renoviert wurde.
 
Zu diesem Baugesuch gehört ein vom Kanton festgelegter Parkplatznachweis, welcher über die gesamte Parzelle zu erbringen ist. Bedeutet: Alle Wohnungen und alle Gewerbe auf dem Grundstück müssen in dieser Berechnung berücksichtigt werden.
Das absurde ist, jahrzehntelang hat man an der Bahnhofstrasse 8 gewohnt und verschiedene Gewerbe betrieben und ist dabei mit genau zwei! Parkplätzen problemlos ausgekommen. Genauso viele PP haben auf dem Grundstück Platz.
Auch wir können einen Stammparkplatz sowie einen Besucherparkplatz für unser Gewerbe nachweisen, so wie mit der Gemeinde Sissach zu Beginn unserer Mission besprochen. Jetzt, mit der neuen Berechnung der Parkplätze steigt die Anzahl der notwendigen PP auf 12!! – Wohlgemerkt: es hat sich nichts verändert ausser: das Whiskyseminar4450 schenkt Whisky aus. Soweit wieder das Gesetz.
 
Noch absurder ist jedoch: in den Schulungen zum Wirtepatent haben wir gelernt, dass wir als Gastgeber mit dafür Sorge tragen müssen, dass unsere Gäste/Teilnehmer nicht mit dem Auto kommen, sondern mit den ÖV, weil sie wissentlich Alkohol im Seminar trinken. Das haben wir auch immer so kommuniziert und es wurde von allen Teilnehmern bisher immer umgesetzt.
 
Viele, viele Gespräche mit real überzeugenden Argumenten konnten am Ende doch nicht überzeugen, jedenfalls nicht jene, die etwas zu entscheiden haben. Wir hätten uns hier und da etwas mehr Realitätsorientierung, einen praktikablen Lösungsvorschlag und vor allem etwas Fingerspitzengefühl gewünscht.
 
Aber: Gesetz ist Gesetz! - daran halten wir uns natürlich und geben an dieser Stelle auf!  Endgültig!
Wir haben nach Alternativlösungen gesucht, leider ohne Erfolg.
 
Wir sagen all jenen Danke, die uns immer unterstützt haben und an uns geglaubt haben, vor allem Sabine und Tomy, unseren Vermietern von der Bahnhofstrasse… und wir danken den Teilnehmern, die eines der wenigen Seminare erleben durften für die tollen und unvergesslichen Abende.
All jenen, die sich immer wieder dahinter verstecken, ihnen seien die Hände gebunden, wünschen wir, dass sie sich irgendwann von den Fesseln befreien können. 
 
Herzliche Grüsse
Thilo Städtler

Kommentare:

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  2. Dieselbe Bürokratie mit Beherbergung auf privater Basis (B&B): wer mehr als 5 Betten anbietet, muss das Wirtepatent machen, denn er könnte den Gästen Kaffee machen und ihnen dabei den Magen verderben��. Bemüht einen Advokaten, der kann vielleicht einen Ausweg finden mittels anderem Gesetz.

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